Systemdienstleistungen im Gesundheitswesen

Die integrale Prozessverantwortung ipv® ist im Gesundheitswesen noch nicht angekommen. Zwei Drittel der befragten kaufmännischen Entscheider in Krankenhäusern sehen laut einer Studie der Fachhochschule Münster einen hohen Wert in der Systemdienstleistung. Allerdings ist die gleiche Gruppe kaum bereit, Verantwortung an einen Dienstleiter abzugeben. Woher kommt dieses Delta?

Das Gesundheitswesen ist eine sehr spezielle Branche. Vermutlich tätigt jeder andere Wirtschaftszweig für sich eine vergleichbare Aussage, dennoch sind auch objektiv Kriterien zu erkennen, die ein Krankenhaus von einem Industrieunternehmen unterscheiden:
Erstens geht es um Menschenleben. Schlussendlich dient das gesamte Haus mit all seinen Einrichtungen nur der Wiederherstellung der Gesundheit. Wer in diesem ohnehin schon risikoreichen Feld wichtige technische wie infrastrukturelle Themen aus der Hand gibt, läuft Gefahr – so die weitläufige Meinung – sein Risiko eher zu erhöhen, als zu verringern. Außer Acht gelassen wird dabei oft, dass ein Dienstleister, der sich auf Krankenhäuser spezialisiert und fokussiert, viele Risiken gar nicht erst entstehen lässt. Er erhebt im Rahmen seiner eigenen Prozesse und seiner ipv®-Zertifizierung die Sekundär- und Tertiärthemen des Krankenhauses zu Primärthemen in seinem Unternehmen und widmend ihnen die gebotene Aufmerksamkeit. Gerade in einem risikoreichen Umfeld bietet dies erhebliches wirtschaftliches Potenzial.

Zweitens: Zwei Drittel aller Häuser – so die niedersächsische Kampagne zur Krankenhausfinanzierung – arbeiten in wirtschaftlichen Grenzbereichen. Die Erwirtschaftung von Gewinnen ist nicht Kernzweck der Einrichtung, im Vordergrund steht der medizinische und pflegerische Aspekt. Allerdings sind wirtschaftliche Spielräume auch und gerade in diesem Kontext unverzichtbar. Die landläufige Annahme, Eigenleistungen seien günstiger, als extern eingekaufte Systemdienstleistungen, lässt sich mit einem Blick auf die Mehrwertsteuersätze vermeintlich rasch belegen. Schließlich sind Krankenhäuser nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Ein zweiter Blick offenbart allerdings eine andere Wahrheit: Die Produktivität des Systemdienstleisters liegt häufig deutlich über der des Eigenbetriebes. Und das nicht etwa, weil die Mitarbeiter mehr arbeiten. Oft sind es Änderungen in den Prozessen, aus denen sich wesentliche Vorteile ergeben. Denn größere Flexibilität, die Nutzung von Synergien, die Einbeziehung von Spezialisten und nicht zuletzt der hohe Grad an Verbindlichkeit sind mit einem Systemdienstleister mitunter leichter umzusetzen, als im Eigenbetrieb. Viele weitere Beispiele dafür lassen sich bei Übergängen von Betriebsteilen an einen Systemdienstleister finden. Doch auch hier gilt: Erfahrung ist Trumpf. Nur der Dienstleister, der sich wirklich auf das Krankenhaus fokussiert und seine ipv®-Zertifizierung im Tagesgeschäft lebt, kann integrale Prozessverantwortung übernehmen und trotz Steuer echte Mehrwerte schaffen. Und dabei die Kosten auch ganz ohne tarifliche Tricksereien senken.

Industrieunternehmen, die zertifizierte Systemdienstleistungen einsetzen, wissen, dass sie nicht umhin kommen, Ihren Dienstleister auf übergeordneter Ebene zu steuern und aktiv in ihr Kerngeschäft zu involvieren. Krankenhäuser hingegen beauftragen oft aus wirtschaftlichen Zwängen Systemdienstleistungen.. Leistungen, die eigentlich mit dem Begriff „Outsourcing“ besser beschrieben wären. Denn oft geht es nicht um eine systemische Leistung oder eine Systempartnerschaft, sondern um das Auslagern von Leistungsbereichen mit dem Ziel, kurzfristig Kosten zu senken. Dutzende von Ausschreibungen im Gesundheitswesen fokussieren Jahr für Jahr auf genau dieses Thema: Wer bietet mir die beschriebene Leistung zum niedrigsten Preis an. Dabei können die Konsequenzen verheerend sein. Nicht nur, dass die Leistungsverzeichnisse selten ergebnis- und oft tätigkeitsbezogen sind und damit zwangsläufig unvollständig. Die Häuser sind sich oft auch nicht bewusst, welcher interne Aufwand für Sie mit dem Outsourcing verbunden ist und welcher Nutzen aus einer echten Systemdienstleistung ihnen entgeht.

Denn die Systemdienstleistung nach ipv® unterscheidet sich deutlich vom Outsourcing. Das Ergebnis steht im Vordergrund, die integrale Vernetzung mit den Kernprozessen und die Einbindung in die strategischen Entscheidungen des Hauses ist das Ziel. Natürlich geht es auch hier um Geld – keine Frage. Doch die grundsätzliche Herangehensweise – ein Fachdialog auf Augenhöhe, die Schnittstellen nicht als trennendes, sondern als verbindendes Element und die nachhaltige Wirtschaftlichkeit als gemeinsames Ziel – ist diametral gegensätzlich.

Die Entscheider in Krankenhäusern sind sensibel. Die ausgeprägte Vernetzung innerhalb der Branche trägt gute wie schlechte Beispiele weiter. Sie lässt das zarte Pflänzchen der Systemdienstleistung wachsen, in eigenen Servicegesellschaften, wie auch mit auf das Krankenhaus spezialisierten Systemdienstleistern.

Es ist nicht der mangelnde Wille und es sind ganz sicher nicht die fehlende Fähigkeiten, die dafür sorgen, dass die Systemdienstleistung im Krankenhaus noch nicht etabliert ist. Es sind vor allen Dingen schlechte Beispiele, durch leere Kassen angetriebene Outsourcingprojekte und der Druck zu kurzfristigen Einsparungen, die echte Systemdienstleistungen blockieren. Noch.

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